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Die Zugspitze

Wenn Du Deutschland mal so richtig aufs Dach steigen willst.
Mrz 20 2018

Die Zugspitze

Jedes Jahr kurz vor den Winterferien habe ich das Thema Zugspitze auf dem Lehrplan. Denn dann ist sie Unterrichtsstoff im Fach Geografie der 6. Klassen, als höchster Berg Deutschlands. Und jedesmal kommt die gleiche Frage der Knirpse und jedesmal musste ich sie verneinen, ob ich denn schon mal oben war.

Das konnte ich nun wahrlich nicht auf mir sitzen lassen und so machten wir uns im letzten Jahr auf in Richtung Garmisch-Partenkirchen um die Zugspitze zu besteigen.

Man könnte es sich ja einfach machen und mit der Zugspitzbahn hochfahren, hat man doch um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert, mit einfachsten Mitteln Stollen durch das Zugspitzmassiv gegraben, um Schienen für die Zugspitzbahn verlegen zu können.

Wege auf die Zugspitze gibt es viele. Wir haben uns für den Weg durch das Höllental entschieden, da es einerseits die abwechslungsreichste Tour ist und Hammersbach als Ausgangs- und Endpunkt für uns ideal war.

Dass der einzige Unsicherheitsfaktor das Wetter werden würde, wussten wir, bevor wir am Morgen die Augen öffneten. Der Regen trommelte unaufhörlich auf unser Busdach und verurteilte uns zum Müßiggang. Gegen Mittag hörte es auf und laut Wetterapp hatten wir nun ein Zeitfenster von ca. 4 Stunden.

Das erste Etappenziel war die Höllentalangerhütte, in der wir auch übernachteten. Von Hammersbach aus folgten wir dem gleichnamigen Fluss hinein in das Höllental. Es sah so aus, als ob wir trockenen Fußes auf der Hütte ankommen würden. Die Aussichten für eine Gipfelbesteigung am kommenden Tag waren jedoch alles andere als gut.Das Wetter konnten wir nicht beeinflussen, also genossen wir den Aufstieg und die Stille, nur unterbrochen vom Gezwitscher der Vögel und vom Gemurmel des Hammerbachs. Mit einem Euro passiert man die Mautstelle zur Höllentalklamm, sofern man nicht in der Höllentaleingangshütte versackt, was bei einem lecker Bier und dem Ausblick nicht verwundert.

Die Höllentalklamm galt viele Jahrhunderte hindurch als unpassierbar. Erst 1872 gelang es, die Klamm zu überwinden. In den Folgejahren wurde sie mit enormen Aufwand für den Tourismus erschlossen. An diesem Naturschauspiel zeigt sich die ganze Kraft der Natur. Über viele Millionen Jahre grub sich der Hammersbach immer tiefer in den Fels und schuf so das heutige Gesicht der Höllentalklamm. Für uns war die Klamm eine willkomene Abwechslung. Es über Brücken und durch Tunnel, an Traversen entlang und unter Wasserfällen hindurch, begleitet von einem unbeschreiblichen Getöse, das sich hundertfach an den Felswänden bricht und sich so um ein Vielfaches verstärkt.
Da hatten wir auch Sorge auf dem Weg zur Höllentalangerhütte nass zu werden.  In der Klamm war das nun völlig wurst. Das Wasser kommt von allen Seiten, es tropft von der Decke, rinnt aus den Wänden und Du wirst die ganze Klamm hindurch in einen Gischtnebel gehüllt. Eine lustige Erfahrung.
Auf den ersten Metern in der Klamm stört dich das wenig, da schaust Du, bleibst stehen, machst Fotos und staunst mit welcher Kraft das Wasser über die Felsen schießt. Später werden die Schritte immer schneller und wir ersehen das Ende der Klamm herbei, die Kälte macht uns Beine.

Vorheriges Reservieren macht in der Höllentalangerhütte unbedingt Sinn. Die Wochenenden sind auf Wochen hinaus ausgebucht. Uns kommt der Wetterbericht zu gute, haben doch etliche ihre Tour abgeagt. So verleben wir einen ruhigen Abend mit Bier und Bayerisch Gröstl. Am preiswertesten nächtigt man im Lager. Vorausgesetzt, man ist gegen das Schnarchen immun oder man verträgt genug Alkohol.

Die Nacht war kurz. Um 6.00 Uhr klingelte der Wecker, denn um 7.00 Uhr wollten wir spätestens unterwegs sein. Unsere Fürbitte vom Vortag schien geholfen zu haben. Wir blickten in einen strahlend blauen Himmel und das Wetter sollte bis in die späten Nachmittagsstunden halten. “Gottes gesegnte Kinder”, rief ich schulterzuckend unseren Tischnachbarn zu, als die beiden ungläubig in den Himmel schauten. Sie hatten die Tour schon im letzten Jahr schlechtwetterbedingt abbrechen müssen. Diesmal wollten sie unbedingt nach oben und er freute sich wie ein Schnitzel über den unverhofften Sonnenschein. Den beiden sollten wir noch öfters begegnen.

Pünktlich ging es los, nicht ohne ein mulmiges Gefühl, lagen doch ca 1800 Hm vor uns in sehr anspruchvollem Gelände mit Gletscherüberschreitung, Steilwandquerung und die letzten 600 Hm per Klettersteig.

Ein alter Bergführer sagte mir einmal: “Einen Berggipfel kann man nicht bezwingen, man kann ihn nur besteigen, wenn der Berg es denn zulässt. Die Natur ist immer stärker in den Bergen. Steige deshalb immer mit Demut, in Ruhe und mit Bedacht hinauf”. So zündeten auch wir ein Kerzlein an und baten um gutes Wetter, des Berges Gnade und eine gesunde Rückkehr.

Die Riffelköpfe im Blick wanderten wir auf dem Höllentalanger taleinwärts, der Felswand entgegen. Die ersten Kontakte am Fels hießen “Die Leiter”, bzw. “Die Wand”. Eigentlich keine schwierigen Kletterpassagen, sind sie doch alle durch Drahtseile gesichert. Klettersteigset und vor allem ein Helm sind unverzichtbar, erinnern uns die vereinzelt dumpfen Einschläge daran, dass wir uns in einem Steinschlaggebiet befinden. Die Schönheit der Berge offenbart sich nach jeder Anstrengung anders, auf dem ersten Hochplateau mit einem grandiosen Talblick. Wir waren erst gut eine Stunde unterwegs und doch erscheint die Hütte unendlich weit weg. Höhenmeter verändern jegliches Gefühl für die Zeit. Man ist geneigt zu glauben, man würde ein vielfaches an Zeit für die Strecke benötigen, schaut man auf sie zurück. Der Blick zurück ist grandios, der Blick nach vorn nicht minder spektakulär. Die Berge, der Höllentalferner und die Sonne bilden eine ganz eigene faszinierende Kulisse.

Wirkt die Gegend auch unwirtlich, kalt und abweisend, gibt es doch Geschöpfe der Natur, die sich in diesen Gefilden ihr Recht auf Leben erkämpfen. Es ist für uns immer wieder ein Grund inne zu halten und zu schauen, wie die kleinen Gewächse trotzig ihr Köpflein der Sonne entgegen strecken. Vor allem hier oben in den Bergen wird einem immer wieder bewußt, wie wenig die Natur den Menschen braucht.

Die Drahtseilsicherungen waren unser Wegweiser auf den Gipfel. Die Zeit verging wie im Flug. Der Schlussanstieg forderte von uns noch einmal volle Konzentration und körperlichen Einsatz. Die berühmte Gipfelruh sucht man auf der Zugspitze allerdings vergebens. Nur einen Steinwurf entfernt erhebt sich die Bergstation wie eine Trutzburg aus dem Nebel und mit ihr das touristische Endprodukt.



Nach ca 7 Stunden waren wir am Ziel. Den Gipfelkuss gab es gratis. Zur Stärkung gab es Bier und Weißwürste, gegen ein großzügiges Endgeld, auf der Terrasse des Gipfelhütte. Bevor wir in die Zugspitzbahn stiegen um talwärts zu fahren, gab es ein Foto mit Alexander Huber, einem der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Kletterer, der auf der Zugspitze einen Vortrag hielt und unserer Tischnachbar war.

Das Wetter war diesmal unser Freund und so war es ein tolles Erlebnis der Republik mal so richtig aufs Dach zu steigen.

 

Bildnachweise:
Schema Umgebung Zugspitze: Autor – KalkOr

 

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Denis Bleyl
post@bildkultour.de
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